PRIMA GESAGT

Lesebühne

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 Axel Altenburg    

 

ist 1958 in Berlin geboren. Nach 20-jähriger Tätigkeit im Lebensmitteleintelhandel lebt er heute als freier Autor in Berlin-Kreuzberg. Mit einer Kurzgeschichte gewann er 2003 beim Erzählwettbewerb des Tagesspiegel.

 

Axel wächst in einer Berliner Arbeiterfamilie auf, vier Kinder, der Vater trinkt, die Mutter ist überfordert. es ist eine Welt ohne Nähe, kalt und hungrig, voller Angst und Gewalt. Eine Welt, der Axel entfliehen möchte. Doch das Leben fasst ihn mächtig an. Eine Katastrophe nach der anderen lässt sein Dasein zu einem Drahtseilakt werden.

Stinkehose ist sein Debüt als Romanautor. Ein Erstlingswerk von bestürzender Klarheit und Aufrichtigkeit.

 

Axel Altenburg - Stinkehose
 


2005 - Klingenstein Verlag Stuttgart -
ISBN 3-937813-03-09

 

„ (...) Die Sanftheit in der Stille, jetzt, wo es stockdunkel ist draußen, kein LKW durch die Gegend hupt und die ersten Halleluja den Flur erobern. Kein Suff die ruhe stört, die Prügel fort getragen auf Engelsflügeln, wir aufgeregt wartend auf das Zeichen, dass wir kommen dürften, zur Beseelung der Wunden. Der Blick aus dem Fenster, kein Haus, das gegenüber steht, keine Lichter zu sehen, ungewohnt dieser Ausblick ins Dunkel der Nacht, der Heiligen Nacht. Das erste Weinachten im Obdachlosenasyl (...) “

 

(...) Draußen verdunkelt sich der Himmel, ein Regenschauer naht, es ist schon warm an diesen ersten Maitagen, weswegen ich, nur in kurzen Hosen und kurzärmeligem Hemd gekleidet, schnell unter einen der Balkone flüchtete, den hier jede Wohnung hat. Auch im Erdgeschoss, mein Glück, denn ein Blitz und kurzer Donner lassen den Himmel weinen. Ich denke nach, unter meiner sicheren Deckung, beobachte kleine Insekten, die sich mit mir diese Stimmung teilen.

Ich hätte ihm gerne mal die Musiktruhe gezeigt, warum geht es nicht?

Irgendwas von warm und kalt, ach ja, wenn eine warme Luftschicht auf eine kalte Luftschicht trifft, dann kann es ein Gewitter geben. Na so ähnlich zumindest ist es wenn warm auf kalt trifft, dann blitzt und donnert es, was meine lieben Insekten? So ist es doch? Sie krabbeln vor sich hin, können mir nicht antworten, mir nicht erklären, was das Warme bei mir zu Hause ist. Das Kalte, das weiß ich ja, aber... Könnt ich doch sein wie ihr, dann hätte ich ein anderes Leben, ein schöneres. Was denk ich da? Ihr seid einfach da, braucht euch nicht so zu verstecken wie ich. Ihr lebt, ich denke und der Regen ist jetzt heftig, was! Seht doch, weiter hinten wird es wieder heller. Ihr habt es gut.

Ich verlasse schlagartig meine Deckung, stelle mich auf den Rasen, lasse den Regen auf mich niederprasseln, schließe die Augen dabei. Die warmen Tropfen erfüllen mich mit Licht, ich lasse mich vergessen. Ich spüre, dass ich nicht alleine bin. Es wird mir alles egal, es ist herrlich, es ist phantastisch. Ich ziehe mein Hemd aus, bin völlig aufgeregt und der Regen lässt nach. Erste Sonnenstrahlen durchbrechen die Schauerwolken, ich nehme keine Menschen war, sehe nur wie die Vögel anfangen mit ihrem Flug, weit, frei. Die Schuhe müssen verschwinden, weg damit, der nasse Rasen, wie ich ihn unter meinen Füßen spüre. Das ist doch alles für mich geschehen. Ich streichle ihn, mit den Füßen, diesen satten, feuchten Rasen. Ich fange an, mich langsam zu drehen. Mein Gott, wie schön, ich erstarre vor Ehrfurcht, ein Regenbogen verpackt die Sekunden der Stille in einen farbenprächtigen Schrei, der die letzte Bindung zu meiner Umgebung den abziehenden Regenwolken mit auf die reise gibt. Ich ziehe die Hosen aus, sehe wie das Leben sich versteckt hat, wieder anfängt zu einem Teil von mir zu werden. Der Schmetterling, die Hummel, die Käfer, wie sie leben. Wie sie sich freuen, die Pflanzen, dass sie gestreichelt werden vom langsam abtropfenden Wasser, das sich den Weg zur Erde sucht über jeden Zweig, jeden Ast, jedes Blatt, zu den Wurzeln. Ich spüre Energie, nur noch Energie, höre Stimmen, antworte mit einem Schreien, einem ungehemmten Schreien. Ich reiße die Arme in die Höhe, ich fange an, wie ein Besessener auf dem Rasen rum zu springen, allen Tieren gleich zu sein. Ich bin nicht von hier, ich nehme nur noch Seele war und schmeiße mich auf den nassen Rasen. Mit meiner ganzen Nacktheit drehe ich den Leib, bis alles nass ist, schreie wie ein Tier, während die Sonne wieder ihre ganze Kraft zum Wirken bringt, presse ich meinen Kopf in den nassen, feuchten, frischen Rasen und sehe, wie die Sonne Lichtspeere zwischen die fleischigen Halme schielt. Ich drücke fest, immer fester meinen ganzen Leib auf die Erde. Ein Urwald, in dem ich mich verstecken kann, in dem ich mich geborgen fühle. Märchenhaft. Ich fühle Mutter (...)

 

 

Paula Balov

Annamaria Balov

Doroteja Novosel

 

Christine Mösch

Holger Haak

Jürgen Nafti

Nouri Hassan Al-Kubaisi

 

Gastautoren:

 

Naomi Bendt,
Maroula Blades,
Gordon Gatherer,
Anthony Baggette,

 

Slovokult

 

Vinzenz Fengler & Jorina Collela

 

Jeanette Pichen & Maria Meyer

 

Stefan Thielke & Anka Gnoth

 

Frank Pieperhoff

 

Nepomuk Ullmann

 

Axel Altenburg

 

Fred Schumacher

 

Vadim Fadin