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Lesebühne "Wer braucht das?"
Himmlische Spiele
“Oh,
Herr! Oh, Herr, es ist so langweilig und öde hier. Es fehlt mir an
Abwechslung. Eigentlich habe ich hier oben doch auch gar nichts verloren!”
Jim zog einen Schmollmund und schaute gar unglücklich.
“Nunja,
…”, antwortete der Allmächtige, “..im Allgemeinen mag das vielleicht
stimmen. Du hattest als Rockstar zu Deinen irdischen Zeiten schon einen
ziemlich unstetigen Lebenswandel. Doch Du hast den Menschen mit Deiner
Musik, Deinen Texten auch viel gegeben. Vieles, was bis heute hält. Du wirst
nach wie vor geliebt, wie die vielen Blumen und Briefe auf Deinem Grab in
Paris beweisen. Das wiegt die eine oder andere Sünde - wie Hurerei und
Drogenkonsum - auf.”
“Und
der John? Den kennen und verehren doch auch noch viele. Der hat für den
Frieden gesungen. Und darf jetzt in der warmen Hölle am Flipper kickern!”,
entgegnete Jim dem Allmächtigen.
“Ja!”,
antwortete der Herrgott, “Das schon, aber John Lennon ist auch an der
Trennung der Beatles mit schuldig!”
“…und
Yoko…?!”
“Die
Ono darf nicht zu uns. Weder in mein himmlisches Reich, noch in die Flammen
meines Kollegen. Satanas und ich sind uns in diesem Punkt einig!”, führte
der Herr aus, “ Wir können beide dieses hohe und schrille Kreischen, was sie
Singen nennt, nicht ab!”
Jim
Morrisson nickte: “Ich glaube, das kann ich nachvollziehen. Ein Choral
klänge da gar schauerlich.”
Nach einer kurzen Pause von ein oder auch zwei himmlischen Minuten, -
Zeitmessung war hier oben relativ - machte Jim einen weiteren Ansatz: “Es
ist so öde! Können wir nicht was spielen?”
Der Herr schien die Stirn zu runzeln: “An was dachtest Du da?”
“Ich
habe schon ewig nicht mehr mit Murmeln gespielt. Das letzte Mal vielleicht
als Kind. Ist Ewigkeiten her.”
Er hatte noch gar nicht ganz ausgesprochen, da erschien schon ein Beutelchen
aus dem unzählige Kugeln, gläserne Murmeln herausrollten. Jim war verblüfft.
Eigentlich sollte ihn nach seiner Zeit, die er schon im Himmel war, nichts
mehr erschüttern oder gar verwundern, aber der Allmächtige war immer wieder
für Überraschungen gut.
“Dann
lass uns doch eine Runde spielen. “, brummte die warme Stimme.
Nachdem sie eine Weile hin und her gespielt haben, einer dem anderen mit
seinen Murmeln weggekickt hatte, schien der anfangs hoch erfreute und
enthusiastische einstige Frontmann der Doors die Lust wieder zu verlieren.
Gott gewann nun mehrere Durchgänge hintereinander und hielt dann inne: “Was
ist los, mein Freund? Wolltest Du nicht Murmeln spielen? Gefällt Dir das
Spiel nicht mehr?”
“Mh,
ja, schon…”, antwortete Jim,”…aber auf die Dauer…also,…es fehlt ein wenig
Anreiz. Damit es noch spannender wird!”
Er schien kurz zu überlegen.
"Wie
wär’s, verzeih’ mir diese Frage, mein Herr, wie wäre es mit einer Wette?”
“Warum
nicht?”, antwortete der Allmächtige. “Mit Kollege Satanas habe ich das
früher öfter mal gemacht. Steht übrigens ziemlich ausgeglichen zwischen uns
beiden. Nur mal so am Rande. An was für eine Wette dachtest Du denn, mein
lieber Jim?”
“Also.
Ich überlege mir das so. Wenn ich schon nicht in die Hölle kann,
dann…also…wie wäre es, wenn ich beim Gewinn der Wette zurück auf die Erde
unter die Lebenden dürfte? Ein Leben als Einsatz.”
“Gut,
bin ich dabei!”, stimmte der Herr zu.
Und Jim strahlte augenblicklich, während er die weiteren Bedingungen
erläuterte. Gewonnen habe derjenige, welcher es schaffe, den schwarzen
Superbucker, die undurchsichtige Murmel, genau in die Mitte, in den
Schwerpunkt eines magischen Dreiecks, dessen Eckpunkte von jeweils einer
Glasmurmel des Gegners gebildet werden, zu schießen und dort augenblicklich
in einen Ruhepol zu bringen.
Sie spielten beide und hatten schon nach einiger Zeit jeweils eine
Dreieckskonstellation erspielt. Jim war an der Reihe, schoß mit dem Daumen
seine Murmel aus der Zeigefingerbeuge heraus; seine Kugel traf die Schwarze.
Diese rollte, rollte, rollte und blieb leicht zitternd und dann zur Ruhe
kommend im Murmeldreieck des Herren liegen.
“Ich
schätze, Du hast gewonnen!”, brummte der Herrgott.
Es
blitzte kurz.
Es war hell. Jim musste blinzeln. Die Sonne schien auf ihn hinab. Er blickte
sich um, und erkannte eine Art Bauwagen, an dem Kinder herumstanden, saßen,
und um einen Erwachsenen herumtollten. Offensichtlich war dieser Erwachsene
eine Art Betreuer. An einer Brandmauer stand PA58. Er erkannte auch eine
Tischtennisplatte.
Er kam auf der kühlen Granitplatte zu Sitzen.
“Oh,
Guck mal! Was für ein schöner Schmetterling!”.
Ein Mädchen machte große runde Augen und schien auf ihn zu zeigen. Auf ihn,
den Jim. Moment? Wie ist er denn so eben auf der Tischtennisplatte gelandet?
Er? Ein Schmetterling?
“Herr,
warum als Schmetterling?”, stieß er unhörbar für andere gen sonnigblauen
Himmel.
“Über
die Parameter als welche Lebensform und in welchem Teil der irdischen Welt
Du landen wirst, haben wir nicht gesprochen.”, füllten sich die Worte in
seinem Kopf, “Genieße Dein Schmetterlings-Dasein im so genannten Soldiner
Kiez in Berlin.”
“Ja,
aber…!” Jim wollte protestieren, doch wurde er von einem Knall, einem
Aufprall dicht neben ihm, abgelenkt und aus seiner momentan Empörtheit
herausgerissen.
“Wer
ihn zuerst mit ‘ner Murmel voll krass erwischt, hat gewonnen und ist King
von Gotenburger!”
“Doofe
Jungs, ey!”
Weitere Wortfetzen von kindlichen Stimmen konnte er schon nicht mehr
wahrnehmen. Plötzlich wurde es finster, als der schwarze Bucker direkt auf
ihn zukam.
“Hey,
Jim, Peace! Wo warst Du so lang? Komm’, lass uns ‘ne Runde Flippern und dann
‘n bisschen jammen.”, John Lennon schien wirklich erfreut, putzte mit einem
Hemdzipfel die Gläser seiner Nickelbrille und setzte sie sich auf die Nase.
“Yoko kommt auch bald!”
Moral von der Geschicht (denn so was darf hier jetzt nicht fehlen): Fordere
nie einen Stärkeren heraus! Und wenn, dann wäge recht gut Deine Chancen und
Optionen ab. Wenn Du glaubst clever zu sein, dann unterschätze auch nicht
den Geist Deines Gegenüber.
Und weil’s so schön, gleich noch so ’ne besserwisserische Moral: Manchmal
ist es besser, sich mit dem zu begnügen, was man hat. Und sei es noch so
öde.
Weihnachsshopping
Sie sind wieder
unterwegs, diese Geschmacksverirrten mit ihren roten Mützen. Mit diesen
roten Weinachtsmann- oder auch Nikolaus-Kopfbedeckungen. Fest in der
persönlichen Auffassung, einen zeitgemäßen Stil auf ihrem Haupte
aufzutragen.
Einfach schmerzfrei!
Sie kommen vielleicht gerade von einem der diversen Weihnachtsmärkte und
möchten jetzt noch im - nun auch Sonntags geöffneten -
Multi-Einkaufsparadies Geschenke shoppen gehen.
Vorm Einkaufscenter davor, also genauer gesagt: direkt vor den gläsernen
Türen, steht ER.
Er hat garantiert keinen Stil, was die modischen Trends seiner Kleidung
angeht, trägt er doch fast die gleichen Sachen das ganze Jahr. Er hält einen
Packen Zeitungen in Klarsichtfolie eingeschlagen und damit geschützt vor
Feuchtigkeit von Schnee und Regen in seiner Armbeuge.
Er trägt keine rote Mütze. Dafür aber ein Käppi, welches an die
Uniform der ehemaligen Südstaatenarmee der Vereinigten Staaten von US und A
erinnert.
Die Leute mit den roten Mützen sind jedes mal irritiert, wenn sie an ihm
vorbei sind. Nicht wegen seines Outfits.
Denn einen Stil hat der Straßenzeitungsverkäufer dann doch. Einen ganz
persönlichen Stil.
Einen sehr persönlichen Stil, ein Verkaufsgespräch anzubahnen. Der Zeit und
den potentiellen Kunden angepasst: “ Koof ‘ne Zeitung! Kannste ooch
verschenken. Du Weinachtsmann!”
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Paula Balov
Annamaria Balov
Doroteja Novosel
Christine Mösch
Holger Haak
Jürgen Nafti
Nouri Hassan Al-Kubaisi
Gastautoren:
Naomi Bendt,
Maroula Blades,
Gordon Gatherer,
Anthony Baggette,
Slovokult
Vinzenz Fengler & Jorina Collela
Jeanette Pichen & Maria Meyer
Stefan Thielke &
Anka Luna
Frank Pieperhoff
Nepomuk Ullmann
Axel Altenburg
Fred Schumacher
Vadim Fadin
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